Berenike Wasserthal-Zuccari — Bühnenbild
Das Tagebuch der Anne Frank
von Frances Goodrich & Albert Hackett
Next Liberty, Vereinigte Bühnen Graz, Premiere 21 Nov. 1997
Bühnenbild und Kostüme
Entwurf und konzeptionelle Idee, Bühnen-Modell, Baupläne
Berenike Wasserthal-Zuccari
Persönliche Gedanken und Ideen zur visuellen Umsetzung des Bühnenbilds
Ausgangssituation:
Primär waren für mich dabei die folgenden, wesentlichen Aspekte
Kleinräumig-beengtes Versteck im Dachgeschoss! Alle im Dachgeschoss Untergekommenen (die beiden jüdischen Familien sowie ein alleinstehender jüdischer Zahnarzt) durften sich tagsüber, während der Geschäftszeiten des darunter befindlichen Büros, nicht bewegen. Da jedes nur erdenklich kleinste Geräusch die illegal Untergetauchten darüber sofort verraten hätte.
Knapp zwei Jahre lebten sie zu acht mit großen Einschränkungen auf engstem Raum. Fristeten ein streng reglementiertes Dasein, das sich vermehrt abends nach den Geschäftszeiten abspielte, stets mit der schrecklichen Angst des Entdecktwerdens …
Umsetzung:
Wesentlich waren für mich dabei die folgenden Aspekte:
Das Dachgeschoss als ausgewähltes Versteck musste für mich als solches noch in seinen Grundzügen erkennbar sein. Sollte aber keinesfalls einer naturalistischen Wiedergabe entsprechen. In erster Linie musste die prekäre, gefährliche Situation der Untergetauchten auf der Bühne spür- und erfahrbar werden.

Konzeptionelle Ausführung des Bühnenbilds:
Die um einen mittigen Kaminpfeiler kreuzförmig angeordneten und abgespannten, sicht- und lichtdurchlässigen Stahl-Gitterroste dienten als räumliche Spielebenen und waren mit filigranen Stahl-Leitern mit den darüber liegenden Ebenen verbunden.
Kamin und Stahlgitter waren zudem als bildlich-tragendes Synonym für ein Krematorium bzw. Gefängnis gedacht! Je nach Lichteinfall warfen die acht Stahlebenen harte, gitterförmige Schlagschatten auf den mittig platzierten Betonpfeiler. Die sich daraus vermittelnde Transparenz des Sichtbarwerdens, des unmittelbaren Entdeckt- und Eingesperrtwerdens, war wesentlich für mein Bühnen-Konzept!
Das Begehen der schmalen Stahlebenen verursachte verräterischen Lärm. Die Schauspieler mussten diese dramaturgisch entsprechend bespielen. Zudem kam, dass die oberen vier Spiel- und Stahlebenen nicht mit einem Geländer gesichert waren. Sprich, die Schauspieler mussten diese mit einem verbleibenden Restrisiko betreten. Letzteres wäre aus sicherheitstechnischen Gründen nicht zulässig gewesen, jedoch erforderte das Bühnenbild genau diese sichtbar prekäre Situation. In Absprache mit der damaligen Intendantin war es schließlich möglich, auf visuell störende Geländer und Sicherheits-Markierungen zu verzichten.
Kostüme und Requisiten:
Bei den Kostümen war mir hingegen die zeitlich authentische, reale Wiedergabe wichtig.
Nachdem die schmalen Spielebenen nicht viel Platz für weiteres Beiwerk ließen, die Untergetauchten auch nur mit wenigen Habseligkeiten ausgestattet waren, gab es an Stelle von Möbeln nur spärliche Holzkisten, Koffer und Decken, die dann auch situativ als Sitz- und Schlafstätte dienten.


















